Hitzefrei

Hitzefrei

In der nächsten Woche kommt die Sahara zu Besuch. Ich schwitze schon, wenn ich nur die Wettervorhersage sehe – wie schön kühl war es doch in Dänemark, seufz.

Aus diesem Grund macht die maschinistin am Mittwoch den 26. und Donnerstag den 27. Juni hitzefrei. Freitag und Samstag ist wieder geöffnet.

Ich werde die Zeit nutzen, um im hoffentlich kühleren Büro meinen kompletten Warenbestand auf ein neues Kassensystem umzuziehen – jetzt wird es ernst mit dem Online-Shop. Und falls ihr ganz dringend etwas aus meinem Laden braucht, schreibt mir eine kurze Mail, dann lass ich euch rein 🙂

Ich schul um und werde Dänin!

Ich schul um und werde Dänin!

Nach diesem Urlaub ist die Landung im Alltag besonders hart. Eingehüllt in eine Hygge-Wohlfühlwolke haben wir die vergangenen 3 Wochen in Dänemark verbracht.

Nachdem meine Frau vor 20(!) Jahren ein traumatisches Dänemark-Urlaubserlebnis hatte, stand dieses Land bei ihr auf dem Index. Ewig schon hab ich es versucht, überraschenderweise willigte sie dieses Jahr ein, den Dänen noch eine Chance zu geben.

Von Rügen aus ging es per Fähre nach Bornholm, im Reiseführer hatten wir uns einen geeigneten Campingplatz ausgesucht. Also, erst einmal mit 80 km/h entschleunigt quer über die Insel, ein paar hundert Meter durch den Wald – und wir waren im Paradies. Ein Platz unter den Kiefern, vor uns die Dünen und das Meer. Lasse, der freundliche Campingplatzchef, empfahl noch ein Plätzchen mit Abendsonne und dann waren wir ganz alleine. Nur das Meer und die Vögel im Ohr – schneller hab ich wohl noch nie abgeschaltet. Nach rechts 5 km weißer Strand, nach links 30 km. Kein Mensch zu sehen. Und der Sand so fein und weiß, dass er früher als Füllung für Sanduhren verwendet wurde.

 

Nach 2 Tagen wußten wir: 3 km nach rechts gibt es das beste Softeis der Welt. Und 4 km nach links kam ein niedlicher kleiner Ort, mit den besten Floedeboeller Dänemarks.

Langsam entdeckten wir die Insel, jede Menge Kunsthandwerk, nette Örtchen, traumhafte Architektur, Sandstrände und Felsküsten. Und überall entspannte und freundliche Menschen. Und Wollgeschäfte. Klein aber fantastisch sortiert. Immer Naturfasern, meistens dänische Garne, teilweise sogar regional. Ich musste mich sehr beherrschen, nicht alles mitzubringen.

Wir wanderten durch die Spaltentäler im Inneren der Insel, begegneten Schafen, freuten uns an Klippen und Flechten, Glasbläsern und moderner Holzarchitektur. Eigentlich hätte ich die ganzen 3 Wochen auf Bornholm verbringen können.

 

Aber die Neugierde siegte.

Mit der Fähre ging es kurz nach Schweden, wir hatten 3 Tage Malmö vor uns. Der Campingplatz lag am Fuß der imposanten Öresundbrücke, auf neidisch machenden Fahrradwegen ging es ins Zentrum der Stadt. Wir erforschten interessante Neubaugebiete auf alten Hafenarealen und Gründerzeitviertel im Zentrum. Im Lakritzladen wollte ich mich einschließen lassen und in einem großen Möbelgeschäft wollte ich einen Container ordern und einfach alles einpacken. Futter für Leib und Seele!

 

Nächster Stop Kultur!

40 km nördlich von Kopenhagen liegt das Lousiana-Museum. Seit ich vor ca. 20 Jahren einmal dort war, ist es einer meiner Sehnsuchtsorte. Ich hatte ein wenig Lampenfieber: ist es beim 2. Mal immer noch so toll? Wird es Karin gefallen, oder hab ich zu hohe Erwartungen geweckt? Es war fantastisch – auch beim 2. Mal ist die Symbiose aus Kunst, Natur und Architektur einzigartig. Wir habe einen inspirierenden Tag dort verbracht, wunderbare Ausstellungen gesehen und entspannte Pausen mit Blick auf den Öresund gemacht.

 

Unsere letzte Station: Aarhus

Die zweitgrößte Stadt Dänemarks, Einwohnerzahl vergleichbar mit Magdeburg. Aber da enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Angefangen beim Radwegekonzept, der Lebendigkeit der Innenstadt, Qualität von Architektur, Gastronomie und Einzelhandel endet es bei der herzlichen Freundlichkeit der Dänen. Bei jedem Augenkontakt bekommt man einfach so ein Lächeln geschenkt. Und die Wollläden! 7 Stück sind mir bei meiner Runde durch die Stadt begegnet, das waren bestimmt nicht alle. Im Laden gab es immer einen netten Plausch, eine schöne Auswahl und viel Sachverstand. Aber es strickt ja auch gefühlt jede Dänin. Auf dem Campingplatz war neben dem Meeresrauschen auch immer das leise Geklapper der Stricknadeln zu hören. Es liegt vielleicht auch am Wetter, ich habe im Urlaub meistens mehrere Lagen Wolle kombiniert. Es war ganz schön kalt und meistens auch noch windig – Pulloverwetter.

 

Jetzt bin ich wieder zurück im eigenen Laden, streichel ab und an meine dänischen Garne im Regal und stricke Kindermodelle nach dänischen Anleitungen. Und höre dabei ganz leise das Meer rauschen.

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